In seinem Buch Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik? vertritt Jürgen Habermas die provozierende These, dass die Identität des Menschen auf dem Spiel steht, wenn ihm das Gegenüber der „Natur“ abhandenkommt. Zu dieser Bedrohung komme es aufgrund des zunehmenden Verschwimmens der Grenzen zwischen der Natur, die wir sind, und der organischen Ausstattung, die wir uns geben. Dieser Prozess führe zu einer „Entdifferenzierung der Unterscheidung zwischen Gewachsenem und Gemachtem“. Die Gefahrenquelle sieht Habermas vor allem in der liberalen Eugenik, welche die Unverfügbarkeit der genetischen Grundlagen unserer leiblichen Existenz infrage stellt.

Das Buch war der Anstoß für eine immer noch anhaltende, äußerst kontrovers geführte Debatte darüber, ob und - wenn ja - welche Grenzen der menschlichen Freiheit von Seiten der "menschlichen Natur" zu ziehen sind. Viele waren überrascht, dass Habermas in seinen bioethischen Schriften von den naturwüchsigen Voraussetzungen des normativen Selbstverständnisses des Menschen spricht und in diesem Zusammenhang auf das gattungsethische Selbstverständnis des Menschen Bezug nimmt, um der menschlichen Freiheit Grenzen zu ziehen.

Ziel des Seminars ist eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Buch und den Debatten, die sich daran anschließen. Da es sich um ein Blockseminar handelt, das in Form einer Zoom-Konferenz stattfindet, ist die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzt. Ich bitte um verbindliche Anmeldung bis spätestens 6. November!